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Warum Markendorf bei Frankfurt (Oder) weiter auf einen Supermarkt warten muss


Seit Jahren wünschen sich die Markendorfer einen Einkaufsmarkt. Doch die Pläne für den Bau eines Nahversorgungszentrums in dem Ortsteil von Frankfurt (Oder) stocken. Der Ortsbeirat lud deshalb jetzt zum Vor-Ort-Termin ein. Auch OB René Wilke kam kurzentschlossen vorbei. Nur einer fehlte.

19. Mai 2021, 18:00 Uhr•Frankfurt (Oder)
Ein Artikel von Ines Weber-Rath

Open-Air-Debatte: Bürgermeister Claus Junghanns und OB René Wilke (v.l.) stellten sich den Fragen der Markendorfer und ihres Ortsbeirates zum Nahverkaufszentrum.


Oberbürgermeister René Wilke war „not amused“, als er am Dienstag, um 13 Uhr, mit Bürgermeister Claus Junghanns auf dem Parkplatz am Markendorfer Kirchhof vorfuhr. Er hatte die Dienstberatung mit der gesamten Rathausspitze von Frankfurt (Oder) vorzeitig abgebrochen, um – entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung – bei dem Vor-Ort-Termin dabei zu sein. Bei diesem ging es um das geplante Nahversorgungszentrum im Ortsteil.

Nach dem Rüffel gab es einen sachlichen Austausch

Seit einem Jahr habe man nichts mehr von dem Projekt gehört, das den Markendorfern so am Herzen liegt. So erklärte zunächst Günther Müller aus dem Ortsbeirat, warum er die Initiative zu dem Vor-Ort-Termin ergriffen hatte, zu dem auch lokale Medien eingeladen waren. Mit ihm sei der Termin nicht abgestimmt gewesen, kritisierte René Wilke, der Ortsvorsteher Dieter Rudolf diesbezüglich eine „schlechte Kinderstube“ vorwarf. Nach dem Rüffel wurde der Austausch sachlich, an dem etwa 30 Bewohner des größten Ortsteils der Stadt Frankfurt (Oder) teilnahmen.


Die Stadtverwaltung und das stadteigene TeGeCe hätten alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass auf dem einstigen TeGeCe-Parkplatz ein kleines Einkaufszentrum entstehen kann, versicherte Wilke. Für wie wichtig die Rathausspitze die Versorgungseinrichtung hält, zeige allein die Tatsache, dass man das Grundstück 2019 an einen potenziellen Investor verkauft habe. Denn das widerspreche der TeGeCe-Philosphie, nur zu vermieten, nicht zu verkaufen, erklärte der OB.

Der neue Eigentümer rührt sich nicht

Im vorigen Jahr hatte sich der ursprüngliche Projektentwickler „ohne Angabe von Gründen verabschiedet“ und das Grundstück an eine Berliner Immobiliengesellschaft weiterverkauft. Und die tue einfach nichts, so René Wilke. So müssten für eine Baugenehmigung noch Unterlagen eingereicht werden. Doch auf regelmäßige Nachfragen der Frankfurter Bauverwaltung reagiere der Eigentümer nicht.

Damit seien der Stadtverwaltung die Hände gebunden. „Wir können keinen Investor zwingen, zu bauen und keinen Discounter, sich hier einzumieten“, machte Wilke deutlich. Auch wenn mancher in der Runde das kaum glauben mochte.


Wird bis 2023 nicht gebaut, fällt das Grundstück ans TeGeCe zurück

Immerhin: Im Grundstückskaufvertrag mit der Stadt, den der neue Erwerber übernehmen musste, sei eine Zweckbindung für das Versorgungszentrum enthalten. Damit sei eine Immobilienspekulation ausgeschlossen. Und es gebe eine Rückfall-Klausel. Sie besage, wenn bis 2023 nicht gebaut wird, falle das Grundstück ans TeGeCe zurück, erklärte Claus Junghanns. Auf die Kritik, vier Jahre bis zum Baubeginn seien zu lang, versicherte der Bürgermeister: Das sei eine übliche Frist für Projekte dieser Größenordnung.
Die Markendorfer würden nicht nur erwarten, dass die Stadtverwaltung Druck auf den Investor ausübe. Sie müsse sich auch um die Ordnung und Sicherheit auf dem potenziellen Bauplatz an der Straßenbahn-Haltestelle kümmern, meinte Ortsvorsteher Dieter Rudolf. Er verwies auf abgebrochene Äste und Müllablagerungen dort. „Dass Sie da im Herbst in löblicher Absicht bei einem Arbeitseinsatz Ordnung geschaffen haben, hat verhindert, dass wir ein Bußgeldverfahren gegen den Eigentümer einleiten konnten“, konterte der OB.

OB sichert regelmäßigen Informationsaustausch zu

Er stellte klar, dass die Stadt ihre Bauhof-Mitarbeiter nicht auf das private Gelände schicken werde. Damit würde man ein falsches Signal an andere Privatgrundstücksbesitzer in der Stadt aussenden, so René Wilke. Er stimmte dem jungen Markendorfer zu, der ihm fürs Kommen gedankt und gesagt hatte, „hier fehlt einfach der dritte Mann – der Investor“. Der OB verabschiedete sich mit der Bitte, „respektvoll im Gespräch“ zu bleiben und sicherte dem Ortsbeirat regelmäßige Informationen zu.